Optimale Belüftungszeit im Winter

Die regelmäßige Raumbelüftung hat zwei Ziele:

  1. Frischluft mit höherem Sauerstoffgehalt zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit.
  2. Reduktion der Luftfeuchtigkeit zur Entlastung der Bausubstanz.

Lüften hat aber v.a. im Winter den Nachteil, das die Raumtemperatur rasch spürbar absinkt, sodass im Sinne der Heizkostenreduktion eine möglichst kurze Belüftungsspanne wünschenswert ist. Für die Sauerstoffkonzentration habe ich leider kein Messgerät - aber mit dem Expert Power Control 1100 lassen sich Luftfeuchtigkeit und Temperatur erfassen. Den ersten Nachfrost dieses Jahres habe ich mal zum Anlass genommen, die beiden Größen der Raumluft zu messen.

Auf der x-Achse ist die Zeit nach dem Öffnen des etwa 1,5m² großen Fensters aufgetragen. Die rote Linie ist die Innentemperatur in der Mitte des Raumes (etwa 23m²), gemessen etwa 2,5m vom Fenster entfernt. Die grüne Linie beschreibt die relative Luftfeuchtigkeit an gleicher Stelle. Die blaue Linie ist etwas komplizierter. Laut dem Institut für Meteorologie der FU Berlin war es zum betreffenden Zeitpunkt -1,2°C kalt bei einer Luftfeuchtigkeit von 95,7%. Da die relative Luftfeuchtigkeit stark von der Temperatur abhängt, würde ein Erwärmen der Luft von Außen auf die Temperatur innen die relative Luftfeuchtigkeit reduzieren. Damit man aber abschätzen kann, wie weit die Luft noch trockener gemacht werden kann, gibt die blaue Linie an, welcher relativen Luftfeuchtigkeit die 95,7% von draußen entsprächen, würde man die Luft auf die jeweilige Zimmertemperatur erwärmen. Das bedeutet, dass sich grüne und blaue Linie langfristig annähern, aber die blaue Linie immer die Untergrenze für die grüne bleibt.

Die Innentemperatur (rot) sollte exponentiell auf den Wert der Außentemperatur absinken - im Diagramm ist sie (glücklicherweise) noch weit von den -1,2°C entfernt, sodass der exponentielle Abfall noch als etwa linearer erscheint. Auch die Luftfeuchtigkeit (grün) sollte exponentiell auf die Referenz (blau) abfallen, jedoch müsste man die Temperatur konstant halten, damit dieser Effekt klar erkennbar wäre. Der Energieverlust ist in etwa linear zur Temperaturabnahme im Raum, also sollte die Luftfeuchtigkeit stark fallen, die Temperatur aber (relativ dazu) nur wenig. Auch ohne ein zweites Diagramm ist ersichtlich, dass nur in den ersten drei Minuten die relative Luftfeuchtigkeit stark fällt - daher reichen zumindest für den Punkt 2 aus obiger Aufzählung bei meiner Wohnung drei Minuten aus.

Mir ist klar, dass diese Aufzeichnungen nur schlecht auf andere Gegebenheiten übertragbar sind. Aber vielleicht dienen sie ja jemandem als Anstoß zum Nachdenken über die Implikationen des eigenen Belüftungsverhaltens.

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